Wo gibt es die meisten Defibrillatoren? Die AED-Dichte weltweit im Vergleich
Ein Defibrillator am Bahnhof, im Einkaufszentrum oder im Bürogebäude ist heute kein ungewöhnlicher Anblick mehr. Doch wie dicht ist das Netz eigentlich? Und in welchem Land ist die Chance besonders groß, dass im Notfall schnell ein AED (Automatisierter Externer Defibrillator) in der Nähe ist?
Eine offizielle Defi-Weltmeisterschaft gibt es leider nicht. Denn die AED-Dichte lässt sich international nur eingeschränkt vergleichen. Manche Länder führen zentrale Register, in anderen ist die Registrierung freiwillig. Teilweise werden alle installierten Defibrillatoren gezählt, teilweise nur öffentlich zugängliche oder registrierte Geräte. Trotzdem lohnt sich der Blick über die Grenzen. Denn einige Zahlen sind erstaunlich. Und manche Länder zeigen ziemlich eindrucksvoll, was möglich ist, wenn Defibrillatoren nicht einfach nur angeschafft, sondern konsequent in die Notfallversorgung eingebunden werden.
Japan: mehr als 540 AEDs pro 100.000 Einwohner
Wer nach einem Spitzenreiter bei der Defibrillator-Dichte weltweit sucht, landet schnell in Japan. Bereits 2019 lag die Installationsrate bei 45,4 AEDs je 10.000 Einwohner – umgerechnet rund 454 Geräte pro 100.000 Menschen (Studie aus 2019). Eine 2025 veröffentlichte Untersuchung spricht inzwischen von mehr als 670.000 AEDs in Japan. Bezogen auf die japanische Bevölkerung von rund 123 Millionen Menschen entspricht das rechnerisch mehr als 544 AEDs pro 100.000 Einwohner.
Der Vorsprung vorm Rest der Welt kommt nicht von ungefähr. Die Nutzung von AEDs durch medizinische Laien ist in Japan seit 2004 erlaubt. Seitdem wurde das öffentliche Netz massiv ausgebaut. Ob Bahnhöfe, Schulen, Sportstätten, Einkaufszentren, öffentliche Gebäude: Der Defibrillator für medizinische Laien gehört in Japan vielerorts längst zur Infrastruktur.
Dänemark: rund 446 registrierte AEDs pro 100.000 Einwohner
Auch Dänemark spielt in der Defibrillator-Liga ganz vorn mit. Das dänische AED-Register Hjertestarter.dk weist aktuell mehr als 26.900 registrierte Defibrillatoren aus.
Bei einer Bevölkerung von 6.031.699 Menschen im Juli 2026 (Statistics Denmark) ergibt das rechnerisch rund 446 registrierte AEDs pro 100.000 Einwohner. Zum Vergleich: In einer Untersuchung mit Daten bis 2016 waren es noch rund 298 AEDs pro 100.000 Einwohner. Das dänische Netz ist seitdem also noch einmal deutlich dichter geworden.
Dabei ist die reine Zahl nur ein Teil der Geschichte. Das Register zeigt auch, wann ein Defibrillator zugänglich ist: rund um die Uhr, nur während bestimmter Öffnungszeiten oder vorübergehend gar nicht. Genau diese Information kann im Notfall mindestens so wichtig sein wie der Standort selbst.
Singapur: Hier fährt der Defibrillator sogar Bus
Singapur liefert vielleicht die überraschendste Geschichte. Nach Angaben der Singapore Civil Defence Force sind dort inzwischen mehr als 11.000 AEDs registriert. Bei rund 6,11 Millionen Einwohnern entspricht das rechnerisch mehr als 180 AEDs pro 100.000 Menschen. Ihre Standorte sind mit der Ersthelfer-App „myResponder“ verbunden, sodass Helfende im Ernstfall schnell zum nächsten verfügbaren Gerät geleitet werden können.
Und Singapur denkt das Konzept noch einen Schritt weiter. Dort gibt es AEDs in Linienbussen. 2024 wurden zunächst 53 Busse entsprechend ausgestattet, 2025 kamen weitere 52 hinzu. Nähert sich im Ernstfall ein solcher Bus, kann die myResponder-App Ersthelfende darauf aufmerksam machen. Der nächste Defibrillator hängt dann also möglicherweise nicht an einer Wand. Er kommt gerade angefahren. Eine ungewöhnliche Idee, die zeigt: Bei der AED-Versorgung geht es nicht zwangsläufig darum, möglichst viele Geräte aufzustellen. Entscheidend ist, sie möglichst schnell dorthin zu bringen, wo sie gebraucht werden.
Niederlande: ein ganzes Land als „6-Minuten-Zone“
Auch die Niederlande gehören bei der öffentlichen Defibrillation zu den europäischen Vorreitern. Im Februar 2026 waren nach Angaben eines Vertreters des landesweiten Ersthelfer-Systems HartslagNu rund 31.000 AEDs registriert. Die tatsächliche Zahl installierter Geräte könnte sogar bei mehr als 100.000 liegen. Viele davon sind jedoch nicht registriert und können deshalb vom Alarmierungssystem nicht unmittelbar berücksichtigt werden.
Interessanter als die reine Anzahl ist deshalb das niederländische Konzept der 6-Minuten-Zone. HartslagNu verbindet registrierte Defibrillatoren mit einem großen Netz freiwilliger Ersthelfender. Bei einem gemeldeten Herzstillstand werden Personen in der Umgebung alarmiert. Einige laufen direkt zum Patienten, andere holen einen AED. Die niederländische Herzstiftung berichtete 2024, dass für 88 Prozent aller Adressen ein rund um die Uhr verfügbarer und bei HartslagNu registrierter AED erreichbar war. Fast 16 Millionen Menschen lebten damit in einem entsprechend versorgten Gebiet. Die Niederlande zeigen damit besonders gut: Ein dichtes AED-Netz wird erst durch Auffindbarkeit und Organisation zu einem funktionierenden Rettungsnetz.
Norwegen: 80.000 verkauft, aber nur ein Teil registriert
Norwegen liefert ein weiteres interessantes Beispiel dafür, warum „Wie viele Defibrillatoren gibt es?“ und „Wie viele Defibrillatoren sind im Ernstfall verfügbar?“ zwei unterschiedliche Fragen sind.
Nach Angaben der Stiftung Norsk Luftambulanse waren 2024 in Norwegen bereits mehr als 80.000 AEDs verkauft worden. Im offiziellen öffentlichen Register standen zu diesem Zeitpunkt aber nur rund 11.000 Geräte. Norwegen setzt deshalb stark auf die Qualität seines Registers. Wer dort einen AED registriert, muss dessen Daten regelmäßig aktualisieren oder bestätigen. Laut dem staatlichen Gesundheitsportal Helsenorge ist dies mindestens alle sechs Monate erforderlich. Denn ein Defibrillator, dessen Standort niemand kennt oder dessen Batterie längst abgelaufen ist, verbessert auf dem Papier vielleicht die Statistik. Im Notfall hilft er niemandem.
Schweiz: viele AEDs, aber längst nicht alle rund um die Uhr erreichbar
Besonders aufschlussreich ist eine aktuelle Untersuchung aus der Schweiz. Die 2026 im Swiss Medical Weekly veröffentlichte Studie untersuchte 14.446 AED-Standorte aus dem Schweizer Register Defikarte.ch. Datengrundlage waren die registrierten Standorte im Dezember 2024. Das überraschende Ergebnis: Nur 28,9 Prozent der Schweizer Bevölkerung lebten innerhalb eines Radius von 300 Metern um einen AED, der rund um die Uhr zugänglich war. Wären dagegen alle untersuchten Defibrillatoren 24 Stunden am Tag erreichbar, würde die Abdeckung rechnerisch auf 51,6 Prozent steigen.
Das macht einen entscheidenden Punkt sichtbar: Ein Defibrillator kann ganz in der Nähe sein und im Ernstfall trotzdem unerreichbar bleiben. Zum Beispiel, weil er nachts in einem geschlossenen Büro, einer Schule oder einem Geschäft hängt. AED-Dichte ist deshalb nicht automatisch AED-Verfügbarkeit.
Österreich: Wien hat seine Defis persönlich überprüft
Für ganz Österreich existiert mit dem Definetzwerk Österreich zwar ein überregionales Register öffentlich zugänglicher Defibrillatoren. Eine aktuelle, öffentlich ausgewiesene Gesamtzahl für das ganze Land lässt sich dort derzeit jedoch nicht belastbar ablesen.
Sehr konkrete Zahlen gibt es dagegen aus Wien. Der Verein PULS hat dort mehr als 1.000 Defibrillator-Standorte persönlich kontrolliert. Im Januar 2026 waren danach 834 betriebsbereite AEDs in Wien registriert. Davon waren 194 rund um die Uhr öffentlich zugänglich. Auch hier fällt auf: Die Zahl der vorhandenen Geräte allein sagt wenig darüber aus, wie schnell eines davon nachts, am Wochenende oder an einem Feiertag erreicht werden kann.
Und Deutschland? Eine genaue Zahl gibt es bislang nicht
Japan zählt Hunderttausende Geräte, Dänemark hat ein landesweites Register und in der Schweiz lässt sich sogar analysieren, wie viele Menschen innerhalb von 300 Metern eines rund um die Uhr erreichbaren AEDs leben.
Und Deutschland? Wie viele AEDs es insgesamt in Deutschland gibt, lässt sich derzeit nicht zuverlässig beziffern. Zwar existieren mehrere umfangreiche AED-Kataster und regionale Register, ihre Daten sind jedoch weder vollständig noch überschneidungsfrei. Zu nennen wäre hier unter anderem das Defikataster von Definetz e. V., nach Angaben des Betreibers das größte AED-Kataster Deutschlands. Daneben erfassen beispielsweise die DEFI-map der Region der Lebensretter und die auf OpenStreetMap basierende OpenAEDMap weitere Standorte. Auch die Björn Steiger Stiftung führt eine Karte der von ihr aufgestellten AEDs.
Allerdings fehlt bislang ein bundesweit einheitliches öffentliches AED-Kataster, mit dem sich die Defibrillator-Dichte zuverlässig bestimmen ließe. Das soll sich ändern. Im aktuellen Entwurf zur Reform der Notfallversorgung ist vorgesehen, dass das Bundesministerium für Gesundheit bis zum 1. Juli 2028 ein bundesweites AED-Kataster errichtet. Es soll die Standorte von Defibrillatoren erfassen, die für die Nutzung durch Laien vorgesehen sind, und unter anderem Angaben zu Standort und Zugänglichkeit bereitstellen. Außerdem soll ein Datenaustausch mit Leitstellen und digitalen Ersthelfer-Systemen möglich sein.
Derzeit handelt es sich noch um ein Gesetzgebungsvorhaben. Trotzdem zeigt die geplante Regelung, wohin die Entwicklung geht: Defibrillatoren sollen nicht nur vorhanden, sondern im Ernstfall schnell auffindbar und in die Rettungskette eingebunden sein.
Ein guter AED-Standort macht das Netz ein Stück dichter – auch dank Almas Industries
Genau hier beginnt auch die Verantwortung von Unternehmen, Kommunen, Vereinen, Hotels, Sportstätten oder öffentlichen Einrichtungen. Niemand muss darauf warten, dass Deutschland eines Tages in einer internationalen AED-Rangliste ganz oben steht. Jeder gut geplante Standort verbessert die Versorgung vor Ort.
Der DOC Defibrillator von Almas Industries ist speziell für die Anwendung durch Laien konzipiert. Klare Sprachanweisungen führen Schritt für Schritt durch die Wiederbelebung. Beim Öffnen des Wandkastens kann automatisch eine Notrufverbindung hergestellt werden, sodass professionelle Hilfe eingebunden wird, während sich Ersthelfende auf die Wiederbelebung konzentrieren. Dazu gehört bei Almas Industries mehr als das Gerät selbst: von Beratung und Standortplanung über Einweisung und Schulung bis zu Wartung und Service.
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